Nach Ankas Tod war uns schnell klar, dass wieder ein Rottweiler aus dem Tierschutz bei uns einziehen sollte.

 

Wir riefen in den Tierheimen in der Region an, uns siehe da, gar nicht weit entfernt von uns gab es ein Rottweiler-Mädchen, Baffy, 17 Monate alt, die gerade neu ins Tierheim gekommen war und ein neues zu Hause suchte.

 

Also fuhren wir gleich am nächsten Tag ins Tierheim, um uns die "kleine" Baffy mal anzusehen. Was sollen wir sagen, es war Liebe auf den ersten Blick. Beim ersten gemeinsamen Gassi-Gang war uns sofort klar, dass mit Baffy Hundeschule angesagt war. Sie konnte rein gar nichts und zog an der Leine, als wäre der leibhaftige Teufel hinter ihr her. Die Damen im Tierheim teilten uns mit, dass Baffy wohl erst bei einem jungen Mann gelegt haben soll, der sich dann aus beruflichen Gründen nicht mehr um Baffy kümmern konnte, und den Hund dann seiner Mutter, einer älteren Dame in Obhut gegeben hat, die jetzt aber mit Baffy überfordert war und deshalb den Hund abgegeben hat. Sie teilten uns ebenfalls mit, dass Baffy noch nicht erzogen, aber sehr lieb sei, und die Erziehung mit Hilfe einer Hundeschule gar kein Problem wäre... Wir telefonierten dann noch mit einem Hundetrainer bei uns in der Nähe. Der bestätigte uns, dass die fehlende Grunderziehung bei einem so jungen Hund kein Problem darstellen sollte!

 

Also beschlossen wir, nach einem weiteren Besuch, dass Baffy in den nächsten Tagen bei uns einziehen sollte.

 

Und damit begann eine spannende, lehrreiche Zeit :-)

 

Die Damen im Tierheim hatten nämlich vergessen uns mitzuteilen, dass Baffy nicht nur jegliche Grunderziehung fehlte, sondern auch die Sozialisierung mit Menschen und Umwelreizen wohl etwas vernachlässigt wurde.

 

Die ersten Gassi-Gänge mit Baffy brachten uns zu der Erkenntnis, dass fremde Menschen ein echtes Problem für Baffy darstellten, Nordic-Walker panische Angst in ihr auslösten, und überhaupt war alles außerhalb der geschlossenen 4 Wände absolutes Neuland für Baffy. 

 

Einen kurzen Moment zweifelten wir, ob wir diesem Hund wirklich gewachsen sein würden. Also baten wir den Hundetrainer Baffy auf Herz und Nieren zu prüfen, und hier zeigte sie sich sofort sehr lernwillig und lieb. Wieder etwas beruhigter fuhren wir wieder nach Hause und absolvierten brav unsere Gruppenstunden in der Hundeschule.

 

Schnell aber war klar, dass normale Hundeschule einmal pro Woche nicht ausreichend war. Somit führte mich mein Weg ins Hundesportzentrum Emmendingen, wo ich erstmal den Erziehungskurs mit Baffy belegte. Und somit begann unsere "sportliche Laufbahn". Baffy zeigte sich als äußerst arbeitswillig und wir hatten tolle Trainer, die es verstanden uns zu übermitteln, wie WIR mit Baffy umgehen mussten.

 

Wir haben in dieser Zeit viel gelernt, wir haben gelernt, Baffy im Alltag Sicherheit zu geben, und sie behutsam an fremde Situationen heranzuführen.

 

Baffy hat sich zu einem prächtigen Rotweiler-Mädchen entwickelt. Wir sind sooo froh, dass wir für Baffy gekämpft und mit ihr gearbeitet haben, anstatt sie anfangs lieber wieder abzugeben. Wir haben so viel zusammen gelernt und erlebt und am Ende hatten wir einen Hund, den wir überall mit hinnehmen konnten. Selbst der Windsurf-Worldcup auf Sylt mit hunderten von Menschen stellte kein Problem mehr für sie da.

 

Alles war gut, wir hatten uns perfekt zusammengerauft, wir konnten Baffy überall mit hinnehmen, Baffy liebte ihre Menschen und sportlich waren wir das perfekte Team.

 

Bis sich im Mai 2010 alles änderte. Zufällig entdeckte ich beim Kraulen, in Baffys Kniekehlen, dass ich die Lymphknoten deutlich fühlen konnte. Sie waren nicht besonders groß, und in beiden Kniekehlen genau gleich groß. Von daher habe ich mir keine großen Gedanken darum gemacht. Ich dachte, das gehört halt so ... Trotzdem habe ich immer wieder hinfassen müssen, es hat sich aber nicht viel verändert. Dann entzündeten sich Baffys Augen. Nachdem Augen-Tropfen über mehrere Tage nicht geholfen haben, sondern die Augen immer schlimmer wurden, entschieden wir uns, in die Tierklinik mit ihr zu fahren.

Wir hatten einen sehr netten Assistenzarzt der Baffy untersuchte. Er fand aber nichts an den Augen und gab ihr nochmal eine Augensalbe. Eher beiläufig erwähnte ich noch die Lymphknoten. Der Arzt tastete die Knoten sofort ab und meinte, dass das unnormal sei, und dass an beiden Kniekehlen die Knoten deutlich geschwollen seien.

Das war der Anfang ... Baffy wurde auf den Kopf gestellt und eine Gewebeprobe wurde entnommen. Anfang Juni 2010 bekamen wir dann die niederschmetternde Diagnose - Baffy hatte Lymphknotenkrebs (malignes Lymphom), Lebenserwartung ohne Behandlung 6-8 Wochen. Baffy war zu dem Zeitpunkt 5,5 Jahre alt. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass ich wenige Wochen zuvor noch eine Obedience-Prüfung mit Baffy gelaufen bin und man ihr rein gar nichts angemerkt hat ...

Weitere Untersuchungen ergaben dann, dass Baffy ansonsten gesund ist und der Krebs bisher nur auf die Milz gestreut hatte. Der Arzt riet uns dringend zu einer Chemo-Therapie. Das war erstmal ein Schock!!! Instinktiv lehnten wir die Chemo-Therapie erstmal ab, aber es gab keine wirkliche Alternative. Nachdem uns der Arzt super aufgeklärt hatte, und wir auch von andere Seite Informationen über die Chemo-Therapie beim Hund erhalten hatten, haben wir uns dann doch dafür entschieden. (Wie jeder der sich mit der Chemo-Therapie beim Hund nicht auskennt, hatten wir die schlimmen Geschichten und Bilder von Menschen vor Augen, die Chemo-Therapie erleiden müssen. Dieses Bild ist aber völlig falsch, man kann die Chemo-Therapie beim Menschen überhaupt nicht mit der Chemo-Therapie beim Hund vergleichen!!!)

Klar war, dass diese Krebsform auch mit Chemo-Therapie nicht heilbar ist, sondern dass man den Krebs damit lediglich eine gewisse Zeit "aufhalten" kann, der Hund dabei aber eine sehr gute Lebensqualität hat. Man sagte uns, dass Baffy, wenn sie gut auf die Chemo-Therapie ansprechen würde, eine Lebenserwartung von 6 bis 24 Monate haben könne, und das ohne Schmerzen und Leiden, sondern mit sehr hoher Lebensqualität. Diese kleine Chance wollten wir nutzen, wir wollten es wenigstens versuchen, um hinterher nicht sagen zu müssen, wir hätten nicht alles versucht. Wir hätten ja jederzeit abbrechen können, hätte Baffy die Chemo nicht vertragen ...

So bekam Baffy also am 11.6.2010 ihre erste Chemo-Therapie ..... viele weitere sollten folgen. Baffy hat Gott sei Dank wunderbar auf die Chemo-Therapie angesprochen und ihr ging es zu jeder Zeit hervorragend damit. Jemand der nichts von Baffys Krankheit wusste, hat ihr rein gar nichts angesehen. Sie war quietschvergnügt wie eh und je und voller Lebensfreude. Ich habe weiterhin mit ihr beim Obedience-Training teilgenommen und sie konnte eine Leben führen wie zuvor auch!

Insgesamt hat Baffy 20 Behandlungen bekommen, im Juli 2011 die letzte. Danach wurden wir entlassen und Baffy ging es super!!! Aber wir hatten aber immer im Hinterkopf, dass der Tag X irgendwann kommen wird ...

 

Am 18. August 2011 bekam Baffy morgens beim Gassi wie aus dem Nichts eine Art Krampfanfall, sie zitterte am ganzen Körper, speichelte und verdrehte die Augen. Wenige Minuten später war der Spuk vorbei und sie lief ganz normal nach Hause. Wir telefonierten mit der Tierklinik und wir sollte Baffy erstmal nur beobachten. Mittags dann der gleiche Anfall, danach sahen ihre Augen ganz komisch aus, wir wussten sofort, dass es jetzt ernst war. Wir fuhren sofort in die Tierklinik. Dort angekommen bekam sie nochmal einen kleinen Anfall. Wir mussten Baffy über Nacht in der Tierklinik lassen, da der Arzt einige neurologische Test machen wollte sowie Bluttests und CT ... Am nächsten Tag kam der befürchtete Anruf, wir sollten bitte recht schnell in die Tierklinik kommen, der Arzt wolle mit uns sprechen. Für uns war klar was das hieß ...

 

Der Tierzart teilte uns mit, dass mittels CT ein Hirntumor festgestellt wurde. Wir waren uns einig, dass nun die Stunde gekommen war, Baffy gehen zu lassen.

 

Einer der schwersten Gänge in unserem Leben!!!

 

Wir danken an dieser Stelle nochmals dem gesamten Team der Tierklinik Dr. Frank in Freiburg und ganz besonders Herrn Dr. De Nicola. Dank ihm haben wir 1 Jahr und 3 wundervolle Monate mit Baffy erleben dürfen. Wir wurden zu jeder Zeit ausgesprochen herzlich und professionell aufgenommen. Trotz unsere anfänglichen wöchentlichen Chemo-Behandlungen ist Baffy immer wieder gerne und voller Vertrauen mit uns Behandlungszimmer gegangen und hat die Behandlungen brav über sich ergehen lassen. Vermutlich wusste sie, dass es nur zu Ihrem Besten war.

 

Wir würden jederzeit wieder genauso entscheiden und jedem der in der gleichen Situation ist wie wir, zu diesem Schritt raten.